Getanzter Vortrag zu Charles Eisensteins Ideen

2015-11-contact-improIn völlig ungewohnter Form boten die beiden Tänzerinnen Heike Pourian und Paula Engel die großen gesellschaftlichen Themen wie Ökonomie, Demokratie, Bildung und Ökologie an: Mit einem getanzten Vortrag in Form einer sogenannten „Contact Improvisation“ statt einem gewöhnlichen Vortrag. Hier sind die Tänzerinnen stetig in Kontakt zueinander und bilden einen gemeinsamen Schwerpunkt. Sie müssen ständig auf die Bewegung der Partnerin reagieren. Die Vortragsinhalte orientierten sich am amerikanischen Philosophen Charles Eisenstein, Autor des Buches „Ökonomie der Verbundenheit“ und wichtiger Theoretiker der Occupy-Bewegung. 15 Personen folgten der Einladung der Initiative „Emskirchen im Wandel“.

Als Ursache für viele großen Probleme unserer Zeit sehen sie, dass das Leben zur anonymen Privatsache geworden ist. Intimität und Verbundenheit sind uns unangenehm geworden, obwohl gerade dies die unerfüllten Bedürfnisse unserer Zeit sind. „Von jemand anderem wirklich gesehen und gehört zu werden, ist ein tiefes menschliches Bedürfnis. Der Hunger und die Sehnsucht danach sind so sehr Teil unserer Lebenserfahrung, dass wir noch nicht einmal merken, dass uns was fehlt.“ so deren Erkenntnis. Wir haben die Vorstellung, dass wir eigenständige, getrennte Individuen sind, die miteinander im Wettstreit um knappe Ressourcen stehen und eine Maximierung unseres Eigeninteresses anstreben, so verinnerlicht, dass wir auch dann nicht damit aufhören können, wenn uns das Wasser bis zum Hals steht und unsere Seele krank wird. Um das aufzulösen ist es gut, wenn wir wieder in die Verbundenheit kommen und die Getrenntheit überwinden.

Unsere Kultur sagt, du bist ein Einzelwesen, umgeben von anderen von dir abgetrennten Einzelwesen in einem Universum, das auch von dir abgetrennt ist.
Wenn der Mensch ein einzelnes, losgelöstes Wesen ist und draußen gibt es lauter andere einzelne losgelöste Wesen, begegnen wir der Mitwelt gleichgültig oder sogar feindlich. Um unsere Verbindung miteinander und zur Erde sichtbar und sinnlich werden zu lassen, sprechen die beiden Tänzerinnen über Themen des gesellschaftlichen Wandels. Gleichzeitig tanzen sie einen improvisierten Tanz, wobei stetig der Kontakt mit der Partnerin gehalten wird. Das ist einer von vielen möglichen und nötigen Wegen, eine neue Lebensweise entstehen zu lassen  – schlicht und einfach indem wir Menschen am eigenen Leib erfahren, dass Verbundenheit real und wahr ist.

Wenn wir das Überleben der Menschheit sichern wollen, ist ein neues Bewusstsein der Verbundenheit von großer Bedeutung. Eisenstein fordert die Hinwendung zu einer ökologischen, vom Geld unabhängigeren und kreativen Lebensweise.
In der Diskussion ging es auch darum, in welcher Form ein transformiertes Geld eine Kultur der Getrenntheit in eine Kultur der wechselseitigen Verbundenheit führen kann. Am Ende konnten die Teilnehmer selbst in Zweierpaaren eigene Kontakt-Tanz-Improvisatonen versuchen.
Das Bild entstand bei einer Veranstaltung im Emskirchener Rathaus am 24.11.2015 mit 15 Teilnehmern.

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